Vielversprechender Winterbeginn
Warm und nass zeigte sich der Oktober, entsprechend schneite es im Hochgebirge viel. Am Ende des Monats lag dort bereits viel Schnee, unterhalb 2500 m dagegen war es praktisch überall aper. Im November schneite es im Süden ergiebig und es wurden rekordhohe November-Neuschneesummen gemessen. Mit den wiederholten Starkschneefällen gingen bereits sehr grosse Lawinen nieder. Ende November waren die Schneehöhen im Westen sowie am Alpenhauptkamm und südlich davon stark überdurchschnittlich.
Zwei Grossschneefälle vor Weihnachten
In den Tagen vor Weihnachten schneite es zuerst im Süden, danach im Westen und am gesamten Alpennordhang intensiv. Mit den grossen Neuschneemengen und starkem Wind stieg die Lawinengefahr gebietsweise kurzzeitig auf Stufe 4 (gross) an. Es wurden zahlreiche grosse und teils auch sehr grosse Lawinen beobachtet.
Sonniger und rekordtrockener Januar
Der Januar war geprägt von viel Sonne und milden Temperaturen. Im Mittel wurde weniger als 10 cm Neuschnee pro Messstation registriert (Auswertung von 130 Stationen von SLF und MeteoSchweiz, 29. Dezember 2019 bis 27. Januar 2020). Die Lawinengefahr nahm rasch ab auf Stufe 1 (gering) – eine seltene Lawinensituation für den Hochwinter. Da insbesondere in hohen Lagen genügend Schnee lag, herrschten dort optimale Bedingungen für Skitouren. In mittleren und tiefen Lagen blieb die Schneelage kritisch, dafür gefroren, wenn auch eher spät, die Seen in den Alpentälern und bildeten phantastisches Schwarzeis.
Sturm und Regen bis in hohe Lagen im Februar
Anfang Februar löste Regen bis 2400 m viele Nass- und Gleitschneelawinen aus. Darauf folgte fast nahtlos ein Sturm mit Schnee bis in tiefe Lagen. Beide Ereignisse sorgten im Westen und im Norden gebietsweise für grosse Lawinengefahr (Stufe 4). Es gingen zahlreiche mittlere und grosse, vereinzelt auch sehr grosse nasse, aber auch trockene Lawinen ab. Durch den starken Regen nahmen die Schneehöhen in tiefen und mittleren Lagen ab. Der restliche Februar war geprägt von wechselhaftem Wetter mit wiederholten Schneefällen. Bis zum Monatsende hin beruhigte sich die Lawinensituation zunehmend.
Winter-Comeback Anfang März
Anfang März schneite es wiederholt und teils intensiv. Die Schneefälle waren begleitet von stürmischen Winden. Am Ende der Niederschlagsperiode regnete es aber bis gegen 2400 m. Die Folge waren mehrere Lawinenperioden mit meist trockenen und gegen Ende mit vielen nassen Lawinen. Der 11. März verzeichnete die höchste Lawinenaktivität des Winters mit einem hohen Anteil an Nassschneelawinen. Danach war der März sehr sonnig und mild.
Lawinenauslösungen im Altschnee
Bei längeren Schönwetterperioden können sich die oberflächennahen Schneeschichten zu einer schwachen Schicht umwandeln. Wird diese schwache Oberfläche eingeschneit, kann sie über Wochen störanfällig bleiben und Lawinen können dort anbrechen. Solche eingeschneiten Schwachschichten werden als «Altschneeproblem» bezeichnet. Lawinen, die in diesem schwachen Altschnee anbrechen, werden häufig besonders gross.
Das erste Mal in diesem Winter trat ein Altschneeproblem im Dezember in den inneralpinen Gebieten des Wallis und Graubündens auf. Mit der Überlast des Neuschnees an Weihnachten lösten sich zahlreiche Lawinen bodennah im Altschnee und rissen die gesamte Schneedecke mit. Während der Schönwetterperiode im Januar stabilisierte sich die Schneedecke dann zunehmend, gleichzeitig wandelten sich der oberflächennahe Schnee erneut um: Mit dem Neuschnee von Anfang Februar wurde dieser zu einer Schwachschicht, in der sich verbreitet Lawinen lösten. Vor allem im Osten der Schweiz hielt dieses Altschneeproblem über mehrere Wochen an. So wurden auch Mitte März noch Lawinenauslösungen in diesem schwachen Altschnee beobachtet.
Nass- und Gleitschneelawinen
Anfang Januar war die Gefahr von trockenen Lawinen gering, die Hauptgefahr ging von Gleitschneelawinen aus. Deren Aktivität war aber, wie im gesamten Winter, kleiner als in den zwei vorangegangenen Wintern. Dies ist vor allem auf die weniger mächtige Schneedecke zurückzuführen. Auch die Aktivität von Nassschneelawinen war bis Ende März eher klein. Abgesehen von den niederschlagsbedingten Lawinenperioden, die zuvor beschrieben wurden, gab es keine grösseren Perioden mit Nassschneelawinen.